Bava Metzia 191

Kapitel 191

א רבא סבר לה כרבי יונתן ומתרץ לקראי כרבי יונתן דתני' (שמות כב, יד) אם בעליו עמו לא ישלם משמע דאיתיה בתרוייהו ומשמע נמי דכי איתיה בחדא וליתיה בחדא פטור
1 Raba ist der Ansicht R. Jonathans und erklärt die Schriftverse nach R. Jonathan: <i>Wenn aber der Eigentümer zugegen war, so braucht er nichts zu bezahlen;</i> dies ist zu verstehen, er sei ersatzfrei, einerlei ob er bei beidem zugegen war oder nur bei einem Akte zugegen war und beim anderen nicht.
ב וכתיב בעליו אין עמו שלם ישלם משמע דליתיה בתרוייהו משמע נמי דכי איתיה בחדא וליתיה בחדא חייב
2 Ferner heißt es: <i>wenn der Eigentümer nicht zugegen war, so soll er es bezahlen</i>, und dies ist zu verstehen, er sei ersatzpflichtig, einerlei ob er bei beidem nicht zugegen war oder bei einem Akte zugegen war und beim anderen nicht?
ג לומר לך היה עמו בשעת שאלה אין צריך להיות עמו בשעת שבורה ומתה היה עמו בשעת שבורה ומתה צריך להיות עמו בשעת שאלה
3 Dies besagt, daß, wenn er beim Entleihen zugegen war, er beim Brechen oder Verenden nicht zugegen zu sein braucht, und wenn er beim Brechen oder Verenden zugegen ist, er auch beim Entleihen zugegen gewesen sein muß. —
ד איפוך אנא מסתברא שאלה עדיפא משום דקא מייתי לה לרשותיה
4 Vielleicht entgegengesetzt!? — Es ist einleuchtend, daß das Entleihen bedeutender ist, denn dies bringt [das Vieh] in seinen Besitz. —
ה אדרבה שבורה ומתה עדיפא שכן חייב באונסי'
5 Im Gegenteil, das Brechen und Verenden ist bedeutender, denn ersatzpflichtig ist er ja wegen des Unfalls!? —
ו אי לא שאלה שבורה ומתה מאי עביד ואי לאו שבורה ומתה שאלה מאי עביד אפילו הכי שאלה עדיפא שכן חייב במזונותיה
6 Wenn er es nicht entliehen hätte, wäre das Brechen und Verenden bedeutungslos. — Wenn nicht das Brechen und Verenden, wäre ja auch das Entleihen bedeutungslos!? — Dennoch ist das Entleihen bedeutender, weil er [von dann ab] zur Fütterung verpflichtet wird.
ז רב אשי אמר קרא (שמות כב, יג) וכי ישאל איש מעם רעהו ולא רעהו עמו שלם ישלם הא רעהו עמו פטור
7 R. Aši erklärte: Die Schrift sagt: <i>wenn jemand etwas von seinem Nächsten entleiht</i>, nicht aber mit seinem Nächsten; <i>so soll er bezahlen</i>, wenn aber mit seinem Nächsten, so ist er ersatzfrei. —
ח אי הכי בעליו אין עמו ואם בעליו עמו למה לי אי לאו הנך הוה אמינא האי אורחיה דקרא הוא
8 Wozu heißt es demnach: <i>der Eigentümer nicht zugegen war</i>, und: <i>der Eigentümer zugegen war</i>!? — Wenn nicht diese [Schriftverse], könnte man glauben, dies sei die gewöhnliche Redensart der Schrift.
ט בעי רמי בר חמא שאלה לרבעה מהו כדשיילי אינשי בעינן ולהכי לא שיילי אינשי או דלמא טעמא מאי משום הנאה והאי נמי הא אית ליה הנאה
9 Rami b. Ḥama fragte: Wie ist es, wenn er [die Kuh] zur Bestialität entliehenhat: gilt dies nur von dem Falle, wenn er sie zu dem Zwecke geborgt hat, zu dem die Leute sie zu borgen pflegen, und dazu pflegen die Leute sie nicht zu borgen, oder erfolgt dies wegen des Nutzens und auch dieser hatte einen Genuß?
י שאלה ליראות בה מהו ממונא בעינן והאיכא או דלמא ממונא דאית ליה הנאה מיניה בעינן וליכא
10 Wie ist es, wenn er sie entliehen hat, um mit ihr zu prunken: gilt dies vom [Entleihen einer] Wertsache, was auch hierbei der Fall ist, oder nur von der Benutzung der Wertsache, was hierbei nicht der Fall ist?
יא שאלה לעשות בה פחות מפרוטה מהו ממונא בעינן ואיכא או דלמא כל פחות מפרוטה לא כלום היא
11 Wie ist es, wenn er sie entliehen hat, um sie zu einer keine Peruṭabetragenden Arbeit zu verwenden: gilt dies vom Entleihen einer Wertsache, was auch hierbei der Fall ist, oder gilt das, was keine Peruṭa wert ist, als nichts?
יב שאל שתי פרות לעשות בהן פרוטה מהו מי אמרינן זיל בתר שואל ומשאיל ואיכא או דלמא זיל בתר פרות וכל חדא וחדא ליכא ממונא
12 Wie ist es, wenn er zwei Kühe entliehen hat, um mit beiden eine Arbeit im Werte einer Peruṭa zu verrichten: sagen wir, man richte sich nach dem Entleiher und dem Verleiher, somit ist hierbei [eine Peruṭa] vorhanden, oder richte man sich nach den Kühen, und mit keiner von beiden ist ein Geldwert erzielt worden?
יג שאל משותפין ונשאל לו אחד מהן מהו כולו בעליו בעינן והא ליכא או דלמא מההוא פלגא דידיה מיהא מיפטר
13 Wie ist es, wenn er sie von zwei Gemeinschaftern entliehen und einer von ihnen sich ihm mit entliehen hat: muß es der ganze Eigentümer sein, was hierbei nicht der Fall ist, oder ist er wenigstens von seiner Hälfte frei?
יד שותפין ששאלו ונשאל לאחד מהן מהו כולו שואל בעינן וליכא או דלמא בההיא פלגא דשיילי מיהת מיפטר
14 Wie ist es, wenn Gemeinschafter entliehen und er sich einem von ihnen mit entliehen hat: muß es der ganze Entleiher sein, was hierbei nicht der Fall ist, oder sind sie wenigstens von der einen entliehenen Hälfte frei?
טו שאל מהאשה ונשאל בעלה אשה ששאלה ונשאל לבעל מהו קנין פירות כקנין גוף דמי או לא
15 Wie ist es, wenn er sie von einer Frau entliehen und ihr Ehemann sich ihm mit entliehen hat? Wie ist es, wenn eine Frau sie entliehenund er sich ihrem Ehemanne mit entliehen hat: gleicht der Besitz der Früchte dem Besitze des Kapitalsoder nicht?
טז אמר ליה רבינא לרב אשי האומר לשלוחו צא והשאל לי עם פרתי מהו בעליו ממש בעינא וליכא או דלמא שלוחו של אדם כמותו ואיכא
16 Rabina fragte R. Aši: Wie ist es, wenn jemand zu einem Vertreter sagt: geh und entleihe dich zusammen mit meiner Kuh: gilt dies nur vom wirklichen Eigentümer, was hierbei nicht der Fall ist, oder gleicht der Vertreter eines Menschen diesem selber?
יז א"ל רב אחא בריה דרב אויא לרב אשי בעל פלוגתא דר' יוחנן ור"ל שליח פלוגתא דר' יונתן ור' יאשיה
17 R. Aḥa, Sohn des R. Ivja, sprach zu R. Aši: Über den Ehemann besteht ein Streit zwischen R. Joḥanan und Reš Laqiš, und über einen Vertreter besteht ein Streit zwischen R. Jonathan und R. Jošija.
יח בעל פלוגתא דר' יוחנן ור"ל דאיתמר המוכר שדהו לחבירו לפירות ר' יוחנן אומר מביא וקורא ריש לקיש אומר מביא ואינו קורא
18 Über den Ehemann besteht ein Streit zwischen R. Joḥanan und Reš Laqiš, denn es wird gelehrt: Wenn jemand einem sein Feld zum Nießbrauch der Früchteverkauft hat, so muß [der Käufer], wie R. Joḥanan sagt, [die Erstlinge] darbringenund [den Abschnitt]lesen, und wie Reš Laqiš sagt, sie darbringen und nicht lesen.
יט ר' יוחנן אומר מביא וקורא קנין פירות כקנין הגוף דמי וריש לקיש אומר מביא ואינו קורא קנין פירות לאו כקנין הגוף דמי
19 R. Joḥanan sagt, darbringen und lesen, denn der Besitz der Früchte gleicht dem Besitze des Kapitals; Reš Laqiš sagt, darbringen und nicht lesen, denn der Besitz der Früchte gleicht nicht dem Besitze des Kapitals.
כ שליח פלוגתא דר' יונתן ור' יאשיה דתניא האומר לאפוטרופוס כל נדרים שתהא אשתי נודרת מכאן עד שאבא ממקום פלוני הפר לה והפיר לה יכול יהו מופרין ת"ל (במדבר ל, יד) אישה יקימנו ואישה יפרנו דברי ר' יאשיה ר' יונתן אומר מצינו בכל מקום ששלוחו של אדם כמותו
20 Über einen Vertreter besteht ein Streit zwischen R. Jonathan und R. Jošija, denn es wird gelehrt: Man könnte glauben, daß, wenn jemand zum Pflegergesagt hat: hebe alle Gelübde meiner Frau auf, die sie von jetzt ab bis ich aus jenem Orte komme tut, und er sie aufgehoben hat, sie aufgehoben seien, so heißt es:<i>ihr Mann bestätige es und ihr Mann hebe es auf</i> — so R. Jošija, R. Jonathan sagte: Wir finden überall, daß der Vertreter eines Menschen ihm selber gleiche.
כא א"ל רב עיליש לרבא האומר לעבדו צא והשאל עם פרתי מהו תיבעי למ"ד שלוחו של אדם כמותו תיבעי למאן דאמר שלוחו של אדם אינו כמותו
21 R. I͑liš sprach zu Raba: Wie ist es, wenn jemand zu seinem Sklaven sagt: geh, entleihe dich zusammen mit meiner Kuh? Dies ist fraglich sowohl nach demjenigen, welcher sagt, der Vertreter eines Menschen gleiche ihm selber, als auch nach demjenigen, welcher sagt, der Vertreter eines Menschen gleiche ihm selber nicht.
כב תיבעי למ"ד שלוחו של אדם כמותו הני מילי שליח דבר מצוה הוא אבל עבד דלאו בר מצוה לא או דלמא אפי' למ"ד אין שלוחו של אדם כמותו ה"מ שליח אבל עבד יד עבד כיד רבו דמיא
22 Dies ist fraglich nach demjenigen, welcher sagt, der Vertreter eines Menschen gleiche ihm selber, denn dies gilt vielleicht nur von einem Vertreter, der den Gesetzen unterworfen ist, nicht aber von einem Sklaven, der den Gesetzen nicht unterworfenist. Oder aber: auch nach demjenigen, welcher sagt, der Vertreter eines Menschen gleiche ihm selber nicht, gilt dies nur von einem Vertreter, die Hand des Sklaven aber gleicht der des Herrn.
כג אמר ליה מסתברא יד עבד כיד רבו דמיא
23 Dieser erwiderte ihm: Es ist einleuchtend, daß die Hand des Sklaven der Hand des Herrn gleiche.
כד בעי רמי בר חמא בעל בנכסי אשתו
24 Rami b. Ḥama fragte: Gilt der Ehemann hinsichtlich der Güter seiner Frau